Smart Home ohne Fachchinesisch — Themen entdecken
Einrichten 23.10.2026 8 Min. Lesezeit

Balkonkraftwerk mit Shelly messen: Anleitung (1PM vs 3EM)

Balkonkraftwerk mit Shelly messen: Anleitung (1PM vs 3EM)

Dein Balkonkraftwerk läuft, die Sonne scheint – aber was bringt es wirklich? Die App deines Wechselrichters zeigt dir, wie viel Strom die Module erzeugen. Was sie dir meist nicht sagt: Wie viel davon du selbst verbrauchst und wie viel unbezahlt ins Netz fließt. Genau diese Lücke schließt ein Shelly. In dieser Anleitung zeige ich dir die zwei sinnvollen Wege: den günstigen Shelly 1PM Gen3 für die reine Anlagenmessung und den Shelly Pro 3EM, wenn du das ganze Haus verstehen willst.

Warum die Wechselrichter-App allein nicht reicht

Die meisten Wechselrichter-Apps zeigen nur eine Zahl: die erzeugte Energie. Für die eigentliche Frage reicht das nicht. Die lautet: Wie viel von dem Solarstrom nutzt du selbst? Denn nur selbst verbrauchter Strom spart dir wirklich Geld – er ersetzt Netzstrom, der rund 30 Cent pro Kilowattstunde kostet. Strom, den du mittags einspeist, während niemand zu Hause ist, bringt dir bei einem Balkonkraftwerk ohne Vergütung dagegen nichts ein.

Ein Shelly misst zusätzlich, was in deinem Haushalt passiert: Wie viel Strom gerade insgesamt verbraucht wird, ob du gerade einspeist oder beziehst und wie sich das über den Tag verteilt. Erst mit beiden Werten – Erzeugung und Verbrauch – siehst du, ob sich zum Beispiel ein Speicher lohnt, ob die Waschmaschine besser mittags laufen sollte oder ob deine Anlage überhaupt so viel liefert wie versprochen.

Kurz zu den Rahmenbedingungen: Als Balkonkraftwerk gilt in Deutschland eine Anlage mit höchstens 2.000 Watt Peak Modulleistung und maximal 800 Watt Wechselrichterleistung ins Netz. Du meldest sie im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur an – online, mit wenigen Angaben. Ein Shelly ändert an diesen Regeln nichts, er misst nur.

Die zwei Wege im Überblick

Es gibt im Kern zwei sinnvolle Messstellen – und sie beantworten unterschiedliche Fragen:

  • Shelly 1PM Gen3 (rund 15 Euro): Er sitzt in der Leitung deiner Balkonanlage und misst genau, was die Anlage liefert. Einphasig, klein, günstig – und er kann die Anlage bei Bedarf auch schalten.
  • Shelly Pro 3EM (rund 100 bis 140 Euro je nach Variante): Er sitzt im Sicherungskasten auf der Hutschiene und misst über drei Stromwandler (Messklemmen) alle drei Phasen deines Hausanschlusses. Er zeigt dir den Gesamtverbrauch des Hauses, die Einspeisung und damit deinen echten Eigenverbrauch.

Weg 1: Shelly 1PM Gen3 – nur die Anlage messen

Der Shelly 1PM Gen3 ist ein kleiner WLAN-Schalter mit Leistungsmessung für eine Phase. Er kostet laut Shelly-Shop rund 14,90 Euro, braucht keinen Hub und wird in der Shelly Smart Control App eingerichtet. Er kommt in die Zuleitung zwischen Wechselrichter und Steckdose – zum Beispiel in einer Abzweigdose – und misst in Echtzeit, was die Anlage liefert.

So gehst du vor:

  1. Sicherung raus. Schalte den betroffenen Stromkreis am Sicherungskasten ab und prüfe mit einem Spannungsprüfer, dass wirklich keine Spannung mehr anliegt. Das ist kein Schritt zum Überspringen.
  2. 1PM in die Leitung setzen. Der 1PM wird in Phase und Neutralleiter der Anlagenleitung eingebaut. Halte dich exakt an den beiliegenden Anschlussplan – die Klemmen sind beschriftet.
  3. Sicherung wieder rein, Gerät einrichten. Öffne die Shelly-App, tippe auf „Gerät hinzufügen“ und folge der Bluetooth-Einrichtung. Nenne das Gerät klar, zum Beispiel „Balkonkraftwerk“.
  4. WLAN prüfen. Der 1PM funkt über WLAN im 2,4-GHz-Band. Gerade auf dem Balkon oder in der Nähe der Steckdose kann das Signal schwach sein – teste vor dem endgültigen Einbau, ob das Gerät stabil erreichbar ist.
  5. Werte lesen. In der App siehst du jetzt die aktuelle Leistung und den Verlauf. Zeigt die Anlage mittags bei Sonne dauerhaft nur 50 Watt, stimmt etwas nicht – Stecker, Ausrichtung oder Verschattung sind dann die ersten Verdächtigen.

Wichtiger Hinweis: Der Einbau in eine Leitung ist Elektroarbeit. Wenn du dir beim Verdrahten nicht sicher bist, lass es von einer Elektrofachkraft machen. Der 1PM ersetzt keine offizielle Messung für eine Einspeisevergütung – dafür ist er nicht gedacht.

Weg 2: Shelly Pro 3EM – das ganze Haus verstehen

Der Shelly Pro 3EM ist ein Energiezähler für die Hutschiene im Sicherungskasten. Er misst über drei mitgelieferte Stromwandler – Klemmen, die um die Leiter gelegt werden – Spannung, Strom, Leistung und Energie auf allen drei Phasen, mit rund 1 Prozent Messgenauigkeit. Die 120-A-Variante deckt einen normalen Hausanschluss locker ab; daneben gibt es eine kompaktere 3CT63-Variante. Der 3EM speichert mindestens 60 Tage lang Minutendaten und kann sie per MQTT an Systeme wie Home Assistant schicken.

So läuft die Einrichtung ab:

  1. Elektriker beauftragen. Der 3EM gehört in den Sicherungskasten, und dort wird unter Spannung gearbeitet, wenn man nicht aufpasst. Das ist eindeutig ein Job für eine Fachkraft – plane dafür Arbeitszeit plus Gerät ein.
  2. Wandler richtig herum montieren. Jede Messklemme bekommt eine Phase (L1, L2, L3), der Pfeil zeigt Richtung Verbraucher, also vom Zähler weg ins Haus. Falsch herum sitzende Wandler sind die häufigste Fehlerquelle.
  3. In der App einrichten und Phasen prüfen. Nach der WLAN- oder LAN-Einrichtung sollten alle drei Phasen Spannungen um 230 Volt zeigen.
  4. Solarleistung einbeziehen. Der 3EM allein misst den Saldo am Hausanschluss. Zusammen mit der Erzeugungszahl aus der Wechselrichter-App oder einem 1PM ergibt sich der Eigenverbrauch: Erzeugung minus Einspeisung.

Der große Vorteil: Du siehst nicht nur die Anlage, sondern das Haus. Läuft mittags der Geschirrspüler, während die Anlage 700 Watt liefert, siehst du sofort, ob der Solarstrom im Haus bleibt oder trotzdem eingespeist wird. Das ist die Datengrundlage für die Entscheidung, ob ein Speicher Sinn ergibt oder ob es reicht, große Verbraucher in die Mittagszeit zu legen.

Praktischer Tipp: Sicherungskästen aus Metall schirmen WLAN stark ab. Der Pro 3EM hat zusätzlich einen LAN-Anschluss – lass dir vom Elektriker bei Bedarf gleich ein Netzwerkkabel dorthin legen.

1PM vs 3EM: Welcher passt zu dir?

Die Entscheidung hängt davon ab, welche Frage du beantworten willst:

  • Nimm den 1PM Gen3, wenn du nur wissen willst, was deine Anlage liefert, ob sie sauber läuft und wie viel sie im Monat erzeugt – und wenn du dafür so wenig wie möglich ausgeben willst. Er ist außerdem praktisch, wenn du die Anlage per App oder Zeitplan abschalten willst, zum Beispiel im Urlaub.
  • Nimm den Pro 3EM, wenn du deinen Eigenverbrauch ehrlich messen willst, über einen Speicher nachdenkst oder dein ganzes Haus verstehen möchtest.
  • Nimm beide, wenn du es genau wissen willst: Der 1PM liefert die saubere Erzeugungszahl, der 3EM den Netzsaldo. Aus beiden zusammen rechnest du dir den Eigenverbrauch exakt aus, ohne dass die Wechselrichter-App dazwischenfunkt.

Preislich liegen die beiden Welten auseinander: rund 15 Euro für den 1PM gegen rund 100 bis 140 Euro für den Pro 3EM plus Einbau. Einsteiger-Tipp: Fang mit dem 1PM an, wenn das Budget klein ist. Auf den 3EM kannst du jederzeit aufrüsten – die beiden ergänzen sich.

So liest du die Werte richtig

Die häufigste Verwirrung sind negative Werte: Ein Minus auf einer Phase heißt nur, dass dort gerade Strom Richtung Netz fließt. Dein Stromzähler saldiert aber über alle drei Phasen – er verrechnet Bezug auf einer Phase mit Einspeisung auf einer anderen. Schau deshalb immer auf die Summe, nicht auf einzelne Phasen.

Zwei weitere Fallstricke: Erstens misst der 1PM nur die Erzeugung, nicht den Eigenverbrauch – wer dort 600 Watt sieht, spart nicht automatisch 600 Watt Netzstrom, wenn der Haushalt gleichzeitig nur 200 Watt verbraucht. Zweitens schwanken die Werte stark mit Wolken, Tageszeit und Jahreszeit. Vergleiche deshalb Tages- oder Monatswerte, keine Momentaufnahmen. Ein typisches Balkonkraftwerk mit 800 Watt Wechselrichterleistung liefert in Deutschland grob 600 bis 900 Kilowattstunden im Jahr. Liegt dein Wert deutlich darunter, prüfe Ausrichtung und Schatten.

Häufige Fragen

Kann ich den Shelly 1PM selbst einbauen?

Technisch ist der Einbau simpel, sicherheitstechnisch ist es Elektroarbeit. Mit Verdrahtungserfahrung und sicher freigeschaltetem Stromkreis ist das machbar – bei Unsicherheit ist eine Elektrofachkraft die richtige Wahl.

Ersetzt ein Shelly den offiziellen Stromzähler?

Nein. Der Shelly ist ein privates Messgerät für deine eigene Auswertung. Für Abrechnung, Einspeisevergütung oder die Anmeldung im Marktstammdatenregister zählt weiterhin der offizielle Zähler deines Messstellenbetreibers.

Brauche ich für den 3EM einen Elektriker?

Ja, unbedingt. Im Sicherungskasten liegen spannungsführende Teile offen – Montage, Anschluss und Prüfung gehören in die Hände einer Fachkraft.

Warum zeigt mein 3EM auf einer Phase negative Werte?

Das ist normal: Auf dieser Phase fließt gerade mehr Solarstrom zurück als dort verbraucht wird. Entscheidend ist der Saldo über alle drei Phasen, denn der Zähler verrechnet die Phasen miteinander. Einzelne Minuswerte sind also kein Defekt.

Funktioniert das auch mit einem Speicher?

Ja, aber die Auswertung wird komplexer: Der Speicher lädt mittags und entlädt abends. Der 3EM zeigt dir weiterhin den Netzsaldo, und zusammen mit der Anlagenmessung siehst du, wie viel Solarstrom im Haus geblieben ist. Für eine saubere Speicher-Auswertung ist Home Assistant oft besser als die reine Shelly-App.

Muss ich das Balkonkraftwerk wegen des Shellys neu anmelden?

Nein. Ein Shelly ist nur ein Messgerät hinter deinem Zähler und ändert nichts an der Anlage selbst – solange du Module oder Wechselrichter nicht veränderst.

Fazit

Für den Überblick reicht der Shelly 1PM Gen3: rund 15 Euro, in der Anlagenleitung montiert, und du siehst, was dein Balkonkraftwerk liefert. Wer wissen will, wie viel Solarstrom im eigenen Haushalt landet und ob sich ein Speicher lohnt, kommt am Shelly Pro 3EM im Sicherungskasten nicht vorbei – inklusive Elektriker, aber mit der ehrlichen Datengrundlage für alle weiteren Entscheidungen. In beiden Fällen gilt: Erst messen, dann optimieren.

mus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert